Allgemeine Sportgruppe 3

Gut Holz ! – mit Leidenschaft
aus dem Rollstuhl heraus

Einmal im Monat ziehen sie sich freitags ihre roten Mannschaftstrikots über und treffen sich auf der Kegelbahn des SV Lok Engelsdorf zum Kegeltraining. Nur an diesem Freitag im Juni 2017 läuft das ein bisschen anders. „Heute kegeln wir nicht, wir feiern!“ strahlt Sportfreundin Anojeta Marggraf (71) rundweg aus dem Rollstuhl heraus. Die Kegelgruppe des Leipziger Behindertenverbandes (BVL) besteht nämlich 5 Jahre. Also kommen Steaks und Würstchen auf den Grill, steht ein Schäpschen Kirsch auf dem Tisch – und sitzt der treueste Verbündete, Hartmut Ballenberger, mit an der Freisitztafel, denn bei Geschäftsführer Hartmut Ballenberger wisse man sich stets gut aufgehoben. Er leitet die Kegelgruppe gut an, bedient die Technik und notiert die mitunter sehr guten Ergebnisse.
Am 15. Juni 2012 traten die Rollikegler mit ihren Begleitern erstmals untereinander in den Wettstreit. Seither wünscht man sich regelmäßig „Gut Holz“. Dafür nehmen die für gewöhnlich 12 Damen und Herren Anfahrten unter anderem aus Holzhausen, Grünau, Wiederitzsch oder Paunsdorf in Kauf. „Der Treff bedeutet mir sehr viel“, betont Hannelore Sittner. „Mein Mann ist verstorben und ich lebe allein, da sucht man solche Zusammenkünfte. „Ich muss ja keine Pokale gewinnen. Dabei sein ist alles“. Und klar, etwas Bewegung sei nie verkehrt. Christine Knospe indes gesteht frank und frei, sie lasse sich immer gerne das dufte Essen der Gaststätte „Sportlerbaude“ im Kreise der Truppe schmecken. Selbst Bernd Allritz mag den Termin nicht missen. Er steht auf gesunden Beinen und begleitete bislang seine Frau, die auf den Rolli angewiesen war. Anfang 2017 ist sie gestorben. „Doch der Bernd gehört längst zu uns“, lassen Christa Dobbermanns Worte auf gewachsene Bindungen schließen. Und dann gibt es ihn an diesem Freitag doch noch, den Abstecher auf die Kegelbahn. Ein Erinnerungs- sprich Pressefoto muss sein. Zwei Rollifahrer rollen also vor, bekommen die Laufschiene auf die Schulter gelegt und sodann die Kugeln gereicht – und schon gehen sie ab. Kollektiver Jubel für Ilona Winkler! Alle Neune! Die 72-Jährige ist der Kegelneuling im Team, erst das dritte mal dabei – und doch lässt sie gleich ungeahnte Talente ahnen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, mit der Schiene die Kugel so auszutarieren, dass sie einen optimalen Lauf bekommt und der Kugeleinschlag maximale Ergebnisse bringt. „Da geht es mitunter um einen Millimeter“ , ergänzt Anojeta Marggraf und bekennt selbstironisch, dass sie schon einen Pokal habe: den für die „Rattenkönigin“.

Kegelsport im Rollstuhl ? – wo ? – Beim SV Lok Engelsdorf !
mit den
Rollikeglern
des Behindertenverbandes Leipzig

Schon 2010 wurde im Vorstand über Möglichkeiten diskutiert, Behinderten mit Rollstuhl die Möglichkeit zu bieten, die Gaststätte zu befahren oder auf die Kegelbahn zu gelangen.
Der Anlass zu diesen Gedankengängen ging von einer Freizeit-Kegelgruppe aus, in deren Reihen ein Sportfreund mit Behinderung am Kegelspiel teilnehmen konnte, da er sich einer sogenannten Kegelschiene bediente. Allerdings musste er sich von Mitarbeitern des Behindertendienstes die Treppen hochtragen lassen.
So wurde im Oktober 2011 mit der Anfertigung der schiefen Rampe als Auffahrt zur Kegelbahn begonnen. Von Sportfreunden des Vereins wurden die alten Gehwegplatten vor der Kegelbahn entfernt und die Fläche vorbereitet. Die Fa. Wenisch Freiflächenbau verlegte dann ordnungsgemäß das Pflaster. Die Fa. Metallbau K. Großhans versah es mit einem Edelstahl-Geländer und eine neue Außentür mit elektrischem Öffnungsmechanismus wurde installiert.

Diese ganzen Arbeiten blieben der Öffentlichkeit natürlich nicht verborgen. Der Behindertenverband Leipzig interessierte sich für diese gute Sache. Frau Marggraf als Ansprechpartner gefiel es bei einem Test so gut, dass sie versprach, mit einer Gruppe von Gleichgesinnten die Möglichkeit einer sportlichen Betätigung auf der Kegelbahn zu nutzen.
Am 15. Juni 2012 war es dann endlich soweit. Acht Rollstuhlfahrer mit ihren Mitarbeitern verbrachten gut 3 Stunden auf der Kegelbahn. Alle waren so begeistert, dass unbedingt jeweils einmal im Monat diese Zusammenkunft beibehalten werden sollte.

Ab 1. März 2013 stellte die Rolli-Gruppe dann gemeinsam den Antrag um Aufnahme als Mitglieder in unseren Sportverein Lok Engelsdorf. Sie besorgten sich für alle sogar Wettkampfkleidung, welche von der Sparkasse Leipzig gesponsert wurde. Nun fehlen nur noch die entsprechenden Wettkampfgegner. Aber so viele Rollstuhl-Kegler scheint es nicht zu geben.

Um mehr Publikumswirksamkeit zu erlangen, wurde zum alljährlichen Sportfest des SV Lok Engelsdorf am 1.Mai 2014 ab 10:00 Uhr erstmalig ein Kegelturnier für unsere Rolli-Gruppe durchgeführt. Die Pokale für Platz 1-3 wurden vom Geschäftsführer gestiftet. Dazu gab es noch Urkunden. Gespielt wurden 100 Kugeln / 50 Volle – 50 Abräumer.
Die Beteiligten erschienen schon weit vor dem Start, konnten es kaum erwarten, endlich los zu legen.
Während draußen auf den Fußballfeldern die Freizeitkicker um die Pokale spielten oder die Schachgemeine
im Vereinshaus den Schachkönig kürten, kegelten die Rollis mitwachsender Begeisterung um den Sieg.
Sie wurden unterstützt durch zwei Mitarbeiter des Fahrdienstes und zwei Mitarbeitern des Vereins bei der Zureichung der Kugeln auf die Kegelschiene.
Um 14:00 Uhr war es geschafft. Die Siegerin und Platzierten standen fest.
1. Platz Regine Koch mit 424 Holz
2. Platz Christine Knospe mit 403 Holz
3. Platz Christa Dobbermann mit 400 Holz

Nach der Übereichung der Pokale und Urkunden durch den Geschäftsführer Hartmut Ballenberger
verweilten die Anwesenden noch in gemütlicher Runde. Alle waren begeistert von der guten Organisation
und Durchführung dieses Kegelevents und stimmten eindeutig dafür, dieses im nächsten Jahr zu
wiederholen. Der Geschäftsführer des BVL ließ es sich nicht nehmen, der Verantwortlichen der Rolli-Gruppe,
Frau Anojeta Marggraf für ihre engagierte Arbeit Dank und Anerkennung auszusprechen. Auch der
Organisator dieser Veranstaltung, Hartmut Ballenberger, wurde mit einen Präsent geehrt.

Engelsdorf, 02.05.2014 H. Ballenberger